Bärenstarke Fehrbelliner Kegler holen „nur“ zwei Punkte

Bundesliga 11./12.Spieltag

Zum Auftakt der Meisterrunde sah der Spielplan für den SV 90 Fehrbellin zunächst das Brandenburg-Derby in Seedorf vor. Am Sonntag ging es dann nach Hannover. Die Tabellenführung konnte man erwartungsgemäß nicht verteidigen, da Kiel und Oldenburg ihre Heimspiele gewinnen und somit vorbei ziehen konnten. Doch am nächsten Spielwochenende in vier Wochen wird die Tabelle wieder bereinigt.

SVL Seedorf von 1919 – SV 90 Fehrbellin 2:1 (5507:5499 Holz, 40:38 EWP)

Mit hohen Erwartungen fuhr der Tabellenführer SV 90 Fehrbellin nach Seedorf. Mit einem Dreier konnte man einen großen Schritt in Richtung Titel machen. Selbst mit dem anvisierten Minimalziel ‚Punktgewinn‘ wäre man weiter auf Kurs.
Die Startachse bildeten die beiden Ex-Seedorfer Dirk Sperling und Dietmar Stoof. Sie hatten es mit dem ehemaligen 90er Mathias Metzdorf sowie Hans Fulczynski zu tun. Lange konnten Dirk und Dietmar ihre Gegner in Schach halten. Dirk war auf 12-Punkte-Kurs, ehe er auf der kniffligen Bahn 3 den rechten Aufsatz völlig in den Sand setzte. Dadurch verlor er das Duell mit Mathias noch mit 926:934. Da auch Dietmar mit 910:919 gegen Hans den Kürzeren zog, lagen die Rhinstädter zunächst 17 Holz zurück.

Im mittleren Spielabschnitt witterten die 90er plötzlich ihre Chance, Boden gut zu machen. Mathias Borchert, der auf Grund von Abgängen zu Saisonbeginn in den Kader rutschte, hat noch nicht das Niveau seiner Kollegen. Mit 892 Holz konnte er eine solide Leistung abliefern. Rainer Pagels kam mit 908 Holz nicht an die vorgelegten Ergebnisse heran. Weil 90er Daniel Neumann ansteigende Form zeigte und gute 924 Holz in die Wertung brachte, war der Zusatzpunkt schon fast sicher. Jonathan Jaeger sorgte mit 899 Holz dafür, dass die Führung zu Gunsten des SV 90 wechselte. Sechs Holz waren aber alles andere als ein beruhigendes Polster.

Es entwickelte sich nun ein Kegelkrimi auf allerhöchstem Niveau. Die Protagonisten waren auf Seedorfer Seite Frank Wilke und Norbert Witzel, denen sich Sebastian Krause und Benjamin Münchow entgegenstellten. Zunächst war Norbert in der Hauptrolle. Er drehte zu Beginn richtig auf und spielte sagenhafte 14 Neunen auf den ersten 17 Würfen. Nach der Hälfte stand er bei +54. Doch dann übernahm Sebastian die Initiative. Mit +26 auf 15 Würfen, also nur vier Holz weniger als dem maximal möglichen Ergebnis, schockte er die Halle und brachte sein Team wieder nah an den Dreier. Doch Routinier Frank, der sich selbst durch diese tolle Serie nicht abhängen ließ, sollte den entscheidenden Schlag setzen. Auf der ergiebigen Bahn vier zog er auf der Zielgerade an Sebastian vorbei und gewann die Paarung 931:925. Auf den anderen beiden Bahnen war es nicht weniger spannend. Norbert zog sich auf der letzten Gasse aus dem Tief und konnte das Duell gegen Benjamin mit 923:915 für sich entscheiden.

Dies waren die acht Hölzer, die den 90ern am Ende zum Auswärtssieg fehlten. Wieder einmal bekam man zu hören, die beste Leistung aller Gästeteams abgeliefert zu haben, doch lediglich ein Punkt wandert in das Gepäck. Unter dem Strich kann man sagen, dass sowohl die Stimmung, als auch die Leistungen Werbung für den Kegelsport waren.

KSK Rivalen Hannover – SV 90 Fehrbellin 2:1 (5401:5386 Holz, 41:37 EWP)

Am Sonntag in Hannover war eigentlich allen klar, dass der Sieg nicht drin ist. Den Zusatzpunkt wollte Fehrbellin nach einigen Jahren, in denen man leer ausging, mal wieder einfahren.

Doch die Startachse ging trotz sehr ansprechender Leistungen von Dietmar Stoof (901) und Daniel Neumann (899) an die Gastgeber. Tobias Kirchhoff lag mit 906 Holz vor beiden 90ern und Robert Neumann setzte mit 911 Holz noch einen drauf. Am Ende des Tages sollte er 12 EWP dafür erhalten.

Doch das waren aus Sicht der Hausherren schon fast die einzigen guten Nachrichten, denn ab der Mittelachse drohte der Rekordmeister, das Spiel aus der Hand zu geben. Obwohl Dirk Sperling (895) nicht den gewohnten Druck ausübte und Benjamin Münchow mit 889 auch nicht ganz vorne angreifen konnte, machten die Hannoveraner immer wieder kleine Fehler. Das Resultat war, dass dass Michael Lotze (898) hinter den beiden 90er Startergebnissen zurück blieb. Christian Spyra (888) musste sogar alle Gäste ziehen lassen.
Nun sah es schon sehr gut im Hinblick auf einen Punktgewinn der Gäste aus, denn Jonathan Jaeger liegt der Wurf in Hannover und Sebastian Krause hat wohl derzeit die Form seines Lebens. Dies stellte er auch eindrucksvoll unter Beweis. Mit 910 Holz holte er 11 Punkte und somit war der Zusatzpunkt bereits sicher. Da auch Jonathan gut im Spiel war, war man 15 Wurf vor Schluss sogar bis auf 11 Zähler an Hannover dran. Doch auch an diesem Tag fehlte das Quäntchen, was man in einer solchen Situation braucht. Sven Wüllner (899) und Ellrik Freienberg (899) hielten gut dagegen und behaupteten den dünnen Vorsprung.

„Mit den zwei Punkten können wir grundsätzlich Leben, haben aber den entscheidenden Schritt in Richtung Meisterschaft verpasst. Respekt an die beiden Gegner, die in einer schwierigen Situation kühlen Kopf bewahrt haben.“, resümiert Sebastian Krause das Wochenende. Der Blick gen Seedorf wird ihm und seinen Mitspielern jedoch am Sonntag etwas die Laune verhagelt haben. Denn die am Vortag noch so nervenstarken Routiniers Wilke und Witzel spielten 30 Holz weniger und mussten so die Punkte an Union Oberschöneweide abgeben. Union zieht dadurch mit den 90ern gleich. Mit jeweils +5 Punkten in der bereinigten Tabelle zeichnet sich nun für die letzten sechs Spiele ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen diesen beiden Teams ab.

Titelverteidiger Kiel gewann beide Heimspiele äußerst souverän. In vier bzw. sechs Wochen wird sich zeigen, ob der Serienmeister der vergangenen Jahre noch in das Titelrennen eingreifen kann. Dann hat man nämlich vier Auswärtsaufgaben zu absolvieren, während Union und Fehrbellin Heimrecht haben. Schaffen es die Kieler (derzeit +1), mindestens vier Auswärtspunkte zu holen, wird es ein Dreikampf, bei dem jedes der drei Teams nahezu die gleichen Aussichten auf den Titel haben. So spannend war die 1. Bundesliga seit vielen Jahren nicht mehr.

Peter Wolski