Brandenburg trotzt allen Widrigkeiten – Gold, Silber und Bronze für den Landesverband
Die Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren im Bowling vom 27. Juni bis 4. Juli 2026 in der Gilde Bowling fourty four in Hamburg werden vielen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben – allerdings nicht nur aufgrund der sportlichen Leistungen. Extreme Temperaturen, erhebliche technische Probleme und organisatorische Herausforderungen prägten die Titelkämpfe von Beginn an. Umso bemerkenswerter sind die Erfolge der Brandenburger Athletinnen und Athleten, die unter diesen Bedingungen einen Meistertitel, einen Vizemeistertitel und eine Bronzemedaille erringen konnten.
Meisterschaft unter schwierigen Voraussetzungen
Bereits zum Auftakt stellte die Meisterschaft alle Beteiligten vor enorme Herausforderungen. Bei hochsommerlichen Temperaturen verwandelte sich die Bowlinghalle aufgrund der fehlenden Klimaanlage in einen regelrechten Hitzekessel. Hinzu kamen massive technische Probleme: Mehrere Ölmaschinen fielen aus, wodurch sich Spielbeginn und Bahnpflegen teilweise um mehrere Stunden verzögerten.
Auch personell zeigte sich schnell, dass die Veranstaltung an ihre Grenzen geriet. Es standen zu wenige beziehungsweise nicht ausreichend geschulte Techniker zur Verfügung. Unterstützung musste kurzfristig organisiert werden – unter anderem reiste ein Techniker aus Brandenburg bereits vor Meisterschaftsbeginn nach Hamburg, um die technische Vorbereitung sicherzustellen. Selbst Spieler sprangen ein: Ein Athlet aus Sachsen stand bereits um 6 Uhr morgens in der Halle, um bei den Vorbereitungen zu helfen, bevor er später selbst um Deutsche Meistertitel spielte.
Trotz dieser alles andere als optimalen Bedingungen bewiesen die Teilnehmer große Professionalität und Konzentration. „Es war wirklich extrem – die Hitze, die Verzögerungen, das hat uns allen viel abverlangt“, schilderte Sandro Brandt später. „Aber genau in solchen Momenten zeigt sich, wer mental stark bleibt.“
Erfolgreicher Auftakt im Mixed
Mit sieben Mixed-Paarungen ging Brandenburg in den Wettbewerb.
Besonders überzeugen konnten Sandro Brandt und Cindy Sommer, die bereits in der Qualifikation mit konstant hohen Leistungen auf sich aufmerksam machten. Nach einem starken vierten Platz in der Vorrunde kämpfte sich das Duo mit zwei nervenstarken Siegen gegen das favorisierte bayerische Mixed um Sabrina Laub und Tobias Börding ins Finale.
Dort entwickelte sich gegen die hessischen Nationalspieler Nadine Meier und Mike Bergmann ein hochklassiges Endspiel. Nachdem Brandenburg das erste Match für sich entscheiden konnte, glichen die Hessen aus und behielten im entscheidenden dritten Spiel die Oberhand. Trotz der Finalniederlage überwog am Ende die Freude über die Silbermedaille – ein hervorragender Auftakt in die Meisterschaft. „Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und einfach versucht, ruhig zu bleiben“, erklärte Brandt. „Am Ende hat nicht viel gefehlt, aber wir können stolz auf die Leistung sein.“
Doppel: Knapp am Halbfinale vorbei
Im Doppelwettbewerb gingen fünf Herren- und vier Damendoppel für Brandenburg an den Start.
Bei den Damen belegten Cindy Sommer und Anke von Treskow nach zwei konstanten Serien den sechsten Platz. Lediglich 60 Pins fehlten zum Einzug ins Halbfinale.
Noch knapper verlief der Wettbewerb bei den Herren: Nicklas Fritze und Markus Günther verpassten als Fünftplatzierte die Medaillenrunde um lediglich neun Pins.
Für Sandro Brandt und seinen Partner Andreas Gripp verlief der Wettbewerb dagegen enttäuschend. Nach einer ordentlichen ersten Vorrunde auf Rang zehn verhinderten Schwierigkeiten mit der Ballreaktion in der zweiten Serie eine bessere Platzierung. Am Ende blieb Rang 16. „Im Doppel haben wir einfach nicht den richtigen Zugriff auf die Bahnen gefunden“, so Brandt. „Das gehört dazu, aber wir wussten, dass noch Chancen im Einzel kommen.“
Einzel: Sandro Brandt schreibt Geschichte
Im Einzel gingen acht Brandenburger Herren sowie vier Damen an den Start.
Bei den Damen überzeugte erneut Cindy Sommer, die sich mit Platz sieben als beste Brandenburgerin behauptete.
Für die größte Geschichte dieser Deutschen Meisterschaften sorgte jedoch Sandro Brandt.
Nach den beiden Vorrunden lag der Premnitzer zunächst auf Rang zehn – bereits 76 Pins hinter den Medaillenplätzen. Doch in der Zwischenrunde startete Brandt eine beeindruckende Aufholjagd. Mit Serien von 243, 232 und 280 Pins arbeitete er sich zurück in die Top Vier und bewies anschließend auch auf den schwierigsten Bahnpaaren enorme Nervenstärke. „Ich habe mir gesagt, dass ich nichts mehr zu verlieren habe und einfach mein Spiel durchziehen muss“, beschrieb Brandt seine Herangehensweise. „Ab da lief es plötzlich wieder.“
Selbst ein verschossener Einzelpin im letzten Spiel der Zwischenrunde brachte ihn nicht aus der Ruhe. Mit zwei Strikes und einem entscheidenden Neuner-Anwurf sicherte er sich im letzten Frame den Einzug ins Halbfinale.
Dort wartete ausgerechnet sein Vereinskamerad und enger Freund Paul Sullivan Purps. In einem von schwierigen Bahnbedingungen geprägten Match kämpften beide um jeden Pin. Nachdem Brandt bereits mit dem Rücken zur Wand stand, erzwang er ein drittes Spiel und entschied schließlich auch dieses nervenaufreibende Duell für sich. „Gegen Paul zu spielen, war emotional extrem schwierig“, sagte Brandt. „Wir kennen uns so gut, da will man eigentlich nicht gegeneinander antreten – aber auf der Bahn gibt man trotzdem alles.“
Im Finale gegen Niko Theiss entwickelte sich ein echtes Herzschlagfinale. Brandt gewann das erste Spiel und hatte im zweiten Match beim Stand einer komfortablen Führung bereits den Titel vor Augen. Nach einem verschossenen Zehner-Pin bekam sein Gegner noch einmal die Chance auf den Ausgleich. Erst als Theiss den entscheidenden dritten Strike verpasste, war es Gewissheit:
Sandro Brandt ist Deutscher Meister 2026 im Einzel.
Mit dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere qualifizierte sich der Premnitzer gleichzeitig für den European Cup of Champions (ECC), der in der kommenden Saison in Ankara ausgetragen wird. „Als der letzte Wurf gefallen ist, konnte ich es kaum glauben“, so Brandt. „Das ist ein Traum, für den ich jahrelang gearbeitet habe.“
Weitere starke Leistungen
Auch Nicklas Fritze zeigte eine starke Einzelmeisterschaft und belegte am Ende einen hervorragenden sechsten Platz.
Mit Paul Sullivan Purps gewann ein weiterer Brandenburger die Bronzemedaille. Erst im Halbfinale musste er sich seinem Vereinskollegen und späteren Deutschen Meister Sandro Brandt geschlagen geben.
Erfolgreiche Bilanz für Brandenburg
Trotz außergewöhnlich schwieriger Rahmenbedingungen kehrt der Landesverband Brandenburg mit einer beeindruckenden Bilanz aus Hamburg zurück:
- Deutscher Meister Einzel: Sandro Brandt
- Silbermedaille Mixed: Sandro Brandt / Cindy Sommer
- Bronzemedaille Einzel: Paul Sullivan Purps
- Platz 6 Einzel: Nicklas Fritze
- Platz 7 Damen-Einzel: Cindy Sommer
Die Deutschen Meisterschaften 2026 werden vor allem wegen ihrer schwierigen Organisation in Erinnerung bleiben. Aus sportlicher Sicht zeigte Brandenburg jedoch eindrucksvoll, dass Leidenschaft, Teamgeist und Nervenstärke auch unter schwierigsten Bedingungen den Unterschied machen können.
Mit einem Deutschen Meistertitel, einer Silber- und einer Bronzemedaille sowie weiteren Top-Platzierungen setzte der Landesverband Brandenburg in Hamburg ein deutliches Ausrufezeichen und blickt optimistisch auf die kommende internationale Saison.




